KINOS IN BRACKWEDE

Der Kinoboom, der heute in unserem Oberzentrum Bielefeld am Anfang steht, den haben wir Brackweder in den 30er Jahren bereits voll erlebt. Kinos entstanden, waren aber nach einiger Zeit wieder verschwunden. Die Familie Timmerhans und auch die Familie Wiedey (Hotel "Großer Kurfürst") waren die Initiatoren für den Brackweder Kinorummel.

Zu Beginn der 30er Jahre wurde als erstes Brackweder Kino die Lichtburg eröffnet. Dieser Bau entstand genau auf dem heutigen Treppenplatz. Das Bild zeigt den Eingang zu dem grßen Kinosaal mit etwa 300 Sitzplätzen, der hintere Teil war in drei kleinere Sitzabteile abgetrennt, das nannte man zu damaliger Zeit "Loge". Hier saßen die jungen Leute häufig nicht nur, um sich den Film anzusehen, sondern auch, um sich etwas näher zu kommen. Das Kino war oft ausverkauft, daher mußte man Karten vorbestellen, um überhaupt noch einen Platz zu bekommen, aber nicht telefonisch, da mußte man schon zwei bis drei Tage vor dem Filmtermin im Kino vorsprechen.


Im gleichen Gebäude hatte auch die Firma Ganske ihren Lebensmittelladen, der bei der Eröffnung noch von der Firma Harms betrieben wurde. Diese hatte dann später ihr Geschäft nur noch im Bielefelder Zentrum. Da das Kino in Brackwede gut lief, überlegt man in der Familie Wiedey, wie man auch das Brackweder Bahnhofsviertel mit aktuellen Filmen versorgen könnte. Da bot sich plötzlich der Saal der Gaststätte Ramsbrock an der oberen Gütersloher Straße an. Er wurde angemietet, und das zweite Brackweder Kino, die Schauburg, entstand dann im Jahre 1935. Jetzt war es für den Betreiber auch möglich, die Wochenschau, sie entsprach damals unserer heutigen Tagesschau im Fernsehen, besser zu nutzen. Sie lief in der Lichtburg zu Beginn des Filmprogramms und in der Schauburg am Ende der Vorstellung. Wir Kinder waren gern bereit mit dem Fahrrad die Filmkopie von einem Kino zum anderen zu fahren. Es gab dafür pro Tag eine Freikarte. Während der NS-Zeit wurden dann auch politische Veranstaltungen, so die Jugendfilmstunde, in der Lichtburg durchgeführt.


Am 3. März 1945 war es mit der Lichtburg zu Ende. Ein Bombenvolltreffer zerstörte das Gebäude zwischen der Grün- und der Senner Straße. Es ist nicht weder aufgebaut worden. Die Lichtburg siedelte um in das Volkshaus Tölke an der Bodelschwinghstraße, bis auch hier die Stadtkernsanierung das Aus für unser Brackweder Kino brachte. Aber die Familie Timmerhans war nicht müde, ein neues Kino zu schaffen. Es wurde dann zu Beginn der 50er Jahre der Grundstein für das Central-Theater gelegt und im Jahre 1952 eröffnet. Leider ebbte in den Folgejahren der Kinoboom immer mehr ab. Das neue Medium Fernsehen verdrängte unsere Kinowelt immer mehr aus den kleineren Ortschaften, die Immobilien wurden von Gaststätten und anderen Lokalitäten genutzt. In unserem alten Central-Theater ist heute die Postfiliale Brackwede.



Beim Blättern im Archiv fand ich noch eine neuere Luftaufnahme aus dem Jahre 1985 vom alten Standort der Lichtburg. Die Einmändung der Senner-und Bodelschwinghstraße auf die Hauptstraße. Der alte Kinostandort ist am 22.5.85 der Treppenplatz schon in der heutigen Ausdehnung




Durch die Initiative meines Sohnes Frank kommt in Brackwede wieder etwas Kino in unsere heile Welt. Das Kino "Melodie", das seit dem 24. September 98 in den Räumen der Realschule seine Pforten eröffnet hat, gibt wöchentlich drei Vorstellungen, auch auch auf Wunsch Sondervorstellungen, was in der Vergangenheit kaum möglich war. Ich hoffe sehr, den Lesern eine Vermittlung zwischen Gegenwart und Vergangenheit gegeben zu haben und wünsche weiterhin viel Vergnügen in Ihrem Kino.

 

(c) Ihr Quirkendörper
Hans Becker