PROJEKT
Sennefriedhof

Die Expo 2000 in Hannover hatte für immer ihre Tore geschlossen. Die Pavillons waren abgebaut. Was bleibt ist die Erinnerung. Auch die ostwestfälischen Projekte wie "Haller Wilhelm" oder "Aqua magica" sind bald Bestandteil des Alltagslebens.
Wir haben ein Projekt direkt vor unserer Haustür, was einen Vergleich nicht zu scheuen braucht - den Sennefriedhof.


Er wurde genau vor 88 Jahren am 15. August des Jahres 1912 seiner Bestimmung übergeben. Die Stadt Bielefeld hatte genau dieses Gelände vor der Brackweder Haustür ausgeguckt. Nach damaliger Rechnung waren es genau 6 Kilometer bis zum Stadtmittelpunkt. Die Stadt Bielefeld kaufte von 30 Waldbesitzern ca. 72 ha Waldbestand, um einen Waldfriedhof anzulegen.


Um die Jahrhundertwende hatte Bielefeld eine Straßenbahnverbindung bis zur Senne eröffnet, um den Sennefriedhof gut erreichen zu könnnen. Man hatte sogar daran gedacht, die Leichentransporte mit einem Spezialwagen von Bielefeld zur Senne zu organisieren. Zur Eröffnung am 25. August 1912 gab es eine Besonderheit bei der Straßenbahn. Auf der damaligen Einladung stand unter der Rubrik "Bekleidung" für den Herren Gehrock.


Alle Herren, die dieses Bekleidungsstück zur Eröffnung trugen, hatten freie Fahrt in der Straßenbahn. Am 16. August 1912 schrieb dann der Bielefelder Generalanzeiger: "Auch viele Damen sind der Einladung des Bürgermeisters Stapenhorst gefolgt."

Weiter hieß es in dem Artikel, dass es bei der außerordentlichen Schönheit der bewaldeten Umgebung Bielefelds und der stark ausgeprägten Vorliebe der Bevölkerung für ihre Wälder selbstverständlich sei, dass man einen neuen Friedhof nicht auf einem baumlosen Acker anlegen könne. Die Senne ist dazu eine sandreiche, wenig fruchtbare Landschaft der Saale-Eiszeit.


Zum 60-jährigen Bestehen des Sennefriedhofes im Jahre 1972 war die Friedhofsfläche bereits auf 105 ha angewachsen. Auch bei der Planung und Anlage hat man stets daran gedacht, dass die Bergkette des Teutoburger Waldes sichtbar bleibt. In den folgenden Jahren wurden Gräberfelder für gefallene Soldaten, Heimtvertriebene und Andersgläubige angelegt.

Das Eingangsgebäude und das Eingangstor bilden, wie die Aufnahme aus den 30er Jahren zeigt, eine architektonische Einheit. Bis zu Beginn des Jahres 2000 fanden auf dem Sennefriedhof insgesamt ca. 110.000 Bestattungen statt. Es lohnt sich, dem Sennefriedhof mal einen Besuch abzustatten. Man sieht sehr viel aus der Bielefelder aber auch Brackweder Vergangenheit. Auch ich bin ständiger Besucher dieser wunderschönen Anlage und entdecke immer noch mir Unbekanntes.
(c) Ihr Quirkendörper
Hans Becker